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Rot-braun – Griechisch wird zum Risiko für Schwule

26 Jan

Der griechische Wahlsieger Alexis Tsipras des Parteienbündnisses Syriza macht Nägel mit Köpfen. Ohne überhaupt erst mit Linken und Liberalen gesprochen zu haben, sitzen die (gemäßigten) Neo-Faschisten von Anexartiti Ellines (ANEL) mit im Regierungsboot. Einen Tag nach dem mit Hoffnung erkauften und großem Pathos gefeierten Wahlsieg. Das Volk begehre nun auf und Griechenland erwache, hallt es durch die Nachrichtenkanäle aus Griechenland herbei.

Querfront: Anel-Verkehr mit Putin – Syriza mimt den Fluffer

Weiland spielen Pressorgane von rechts bis links die griechische Querfront herunter. Die neue nationalistische Rot-Braun-Regierung wendet sich indes im Eiltempo ideologisch dem autoritären Putinismus zu. “Zeit, Alarm zu schlagen”, findet auch Professor Claus Leggewie in einem von Putinisten zugetrollten  taz-Kommentar. Wie große Teile der rechtsnationalen AfD in Deutschland oder die Front National in Frankreich, sympathisiert auch die griechische Fan-Allianz mit dem autoritären Führungsstil Putins. Die Querfront blickt nach Russland, dem neuen alten Feindbild des “dekadenten” Westens. Nationales Erwachen, Verschwörungstheoretiker an der Macht und die erzkonservative, zutiefst homophobistische orthodoxe Kirche bieten auch in Griechenland, die für LSBTTIQ stets höchst riskanten Parameter. Ein schauriger Cocktail, der das Potential bietet, Griechenland zur Hölle für Schwule umzugestalten.

Hoffnung ist ein gefährlicher Frust-Generator

In Russland führte der krude Mix aus antiwestlichen Ressentiments und tradierter Homophobie längst dazu, dass die Obrigkeit dort Lesben- und Schwulengruppen als feindliche Spione des Westens diffamiert und verfolgt. Lesben, Trans* und Schwule schickten sich an, die moralische Grundordnung des Vaterlandes zu unterminieren. Der Untergang Russklands sei ihr Ziel, nicht etwa die rechtliche Gleichstellung oder der Schutz vor Banden organisierter, homophob motivierter Gewalt.
Die Gefahr für Homosexuelle ist real, dass die kollektive Paranoia auch Griechenland erfasst und Schwule wie Juden zu Sündenböcken erklärt werden. Erst recht, wenn die von der neuen Regierung versprochenen Wunder ausbleiben und die Hoffnung dem gesteigerten Frust weicht. Selbst Solidaritätsbekundungen von Menschenrechtlern aus liberalen EU-Ländern, dürften LSBTTI in diesem griechischen Gebräu aus antieuropäischer Stimmungsmache, einer im Christentum tief verwurzelten Homofeindlichkeit und braunem Gedankengut – nicht nur politisch – zum Verhängnis werden.

Querfront wie von Elsässer und Jebsen erträumt

Was in Deutschland bei durch geknallten Querfront-Apologeten wie Jürgen Elsässer und Ken Jebsen zurecht als grotesk kritisiert und strikt abgelehnt worden ist; den rechten und linken Rand im Sinne der nationalen Einheit zu verschmelzen, stellt für deutsche Linke beim nun real existierenden griechischen ‪‎Linksfaschismus, plötzlich eine interessante Kooperationsentscheidung dar.
Das ist strange. Schockierend: Die Morgenröte seien die schlimmeren Nazis, beschwichtigen Syriza-Fans, “mal abwarten” wie mit Flüchtlingen umgegangen wird, “nicht reflexartig reagieren”, lauten die verharmlosenden und beschwichtigenden Töne in den Sozialen Netzwerken.

Die Gleichsetzung von EU mit Nazideutschland – aufgrund der Austeritätspolitik– , die antisemitischen Vorwürfe des Führers der “Unabhängigen Griechen”, Panos Kammenos, die Juden seien Schuld an der Krise, weil diese keine Steuern an den griechischen Fiskus zahlten, sind nur wenige Beispiele für eine rechtsradikale Gesinnung. Auch die Inhalte der “Rechtspopulisten” sind schlicht indiskutabel. Griechische “Verhältnisse” hin oder her.

Die politische Vernunft und die Moral lassen es einfach nicht zu, dass Die Linke und andere demokratische Parteien und Regierungen in Europa mit einer nun real existierenden “linksfaschistischen” Regierung unter dem Dach der pluralistischen, demokratischen Europäischen Union zusammenarbeiten. Diplomatische Beziehungen auf Sparflamme. Mehr nicht, so lange Semifaschisten am Verhandlungstisch sitzen, die der “gelenkten Demokratie” und “orthodoxen Gemeinsamkeit” das Wort reden

Jubel und Gedenken unterm braunen Schatten

Vertreter der deutschen Linkspartei gedenken den ermordeten Juden, Sinti und Roma, den Homosexuellen und den politischen KZ-Insassen der NS-Diktatur. Sie stellen sich an Mahnmalen, halten Reden, ehren die Toten und spucken den Lebenden ins Gesicht mit ihrem zustimmenden Schweigen oder offen vorgetragenem Jubel über den geschmiedeten Pakt zwischen Syriza und den Neo-Faschisten von “Anel” in Griechenland. Was für ein Hohn.

Die von großen, überwiegenden Teilen der deutschen Linken gefeierte Koalition mit Neo-Faschisten in Griechenland, stellt die Teilnahme der Partei an Holocaust-Gedenkveranstaltungen unter einem braunen Schatten.

Mein Protest: Ich wähle künftig die FDP. Besser noch: Ich werde FDP-Mitglied. So eine verdammte Scheiße. Das bisschen Sozialsaat weswegen sich die Linke bereit erklärt, sich selbst und alle Bürger an Neo-Faschisten zu verraten, bekommt man mit einem kleinen wenig gut zureden auch mit demokratischen Kapitalisten hin.

Mit liberalen, sozial-marktwirtschaftlich orientierten, der Bürgerrechtsbewegung verpflichteten Elementen an der Macht, muss ich als Schwuler zumindest keine Angst haben, aufgrund meiner “dekadenten” Vorlieben unterm Applaus und Gegröle des “Volkes” totgeschlagen zu werden. Das ist nicht hysterisch, nicht einmal besonders überzogen. Mit Feuer und Faschisten spielt man nicht. Erst recht nicht das Regieren.

Keinen Frieden mit und keinen Fußbreit den Faschisten – basta!

P.S. Der Begriff Linksfaschismus ist diffamierend und eine (ungenaue) Definition. Siehe Link.

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